Vor rund zwei Jahren war ich auf der Suche nach dem Sinn des Lebens und glaubte damals, alle Werte korrekt definiert zu haben. Das Jahr 2012 hat mir gezeigt, dass meine Gewichtung eine andere hätte sein müssen. Dieses Jahr war turbulent, um nicht zu sagen kunterbunt – ich habe so ziemlich alles, woran ich glaubte, über den Haufen geworfen und neu angefangen. Und das nicht zum ersten Mal.

Doch von vorn: Während ich 2010 noch dachte, dass die Freiheit, die ich während meiner Selbständigkeit genießen konnte, das höchste Gut ist, bin ich nun der festen Überzeugung, dass man ein bisschen dieser Freiheit einbüßen sollte, wenn man dafür eine Arbeit bekommt, die die Rechnungen bezahlt. Ja, Zeit ist wichtig und man sollte sich niemals unter Wert verkaufen – aber da Zeit Geld ist, kann man ein bisschen jonglieren; nun habe ich etwas weniger Freizeit, dafür aber einen geregelten Tagesablauf und im Durchschnitt auch etwas mehr Geld – vor allem aber kommt es monatlich und macht es so möglich, dass ich damit planen kann. Leider geht ein Großteil dieses Geldes für Sünden der vergangenen Jahre drauf, aber ich lasse mich davon nicht unterkriegen und blicke nach vorn. Auch hielt ich an einer Beziehung fest, die mich nicht ausfüllte, pflegte Freundschaften zu Menschen, die mich dann doch im Stich lassen sollten und habe meine Familie – überwiegend aus finanziellen Gründen – vernachlässigt. Im Jahr 2011 habe ich kleine Schritte gemacht: Zuerst die überfällige Trennung, dann der notwendige Nebenjob. Doch 2012 sollte das Jahr werden, in dem ich alles über Bord werfen würde.

Im Februar habe ich meine Herzdame kennengelernt, die meine Welt komplett auf den Kopf stellte. Manche würden sagen es war rein zufällig, doch ich glaube an das Schicksal. Ich twitterte über Ed Sheerans Album und sie antwortete. Es folgten schlaflose Nächte, unzählige Telefonate und wundervolle Nachrichten. Kurz darauf fuhr sie zu mir nach Bremen und als ich sie am Bahnhof das erste Mal sah, wusste und fühlte ich, dass es das Richtige sein kann. Natürlich weiß man nie, ob es hält, aber entgegen aller vergangenen Beziehungen kann ich auch nach zehn Monaten, die alles andere als leicht waren, noch immer sagen, dass ich in sie verliebt bin. Und falls ich irgendwann das Gefühl haben sollte, dass es nicht mehr passt, werde ich es lieber schnell beenden, als erneut in einer Beziehung zu bleiben, die mir nicht gut tut. Nein, es ist nicht ansatzweise so. Einer der Momente in diesem Jahr war auch der Videodreh für 140 Sekunden, in dem wir beide davon erzählen, wie wir uns kennengelernt haben:

Da meine Selbständigkeit irgendwie vor sich hin dümpelte und mich auch sonst nichts in Bremen hielt, bin ich Anfang Mai nach Aachen gezogen – wie sich später herausstellen sollte, war das ebenfalls eine gute Entscheidung. Anfangs hatte ich noch Hoffnung, meine Selbständigkeit hier weiter fortführen zu können. Da ich nicht Fuß fassen konnte, habe ich mich Ende Juni schweren Herzens arbeitlos gemeldet und mich nach einer Vollzeitstelle umgesehen – die ich glücklicherweise durch Eigeninitiative relativ schnell gefunden habe. Nun arbeite ich seit Anfang August bei einem Apple Premium Reseller in der Technik, helfe aber auch manchmal im Vertrieb aus oder bin bei Kunden vor Ort, um deren Probleme rund um den Mac zu lösen. Der Job macht Spaß, auch die Kollegen sind mehr als nur nett und ich kann endlich meine Rechnungen zahlen.

Aufgrund der finanziellen Probleme in der Vergangenheit gab es sogar eine Zeit, in der ich knapp eineinhalb Jahre nicht bei meiner Familie sein konnte. Im letzten halben Jahr war ich drei Mal in der Heimat; auch in Zukunft habe ich vor, alle zwei bis drei Monate nach Hause zu fahren. Das schönste Ereignis dieses Jahr bezogen auf Familie? Meine Mutter an Ihrem Geburtstag zu überraschen. Ich habe den ganzen Tag nichts von mir hören lassen und bin nach der Arbeit zu ihr gefahren. Natürlich hilft es auch ungemein, dass Aachen deutlich näher an der Heimat ist als Bremen. Sozusagen habe ich dank des Umzugs gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Ich habe die tollste Freundin der Welt, einen wundervollen neuen Job, mehr Geld und ich bin näher an der Heimat und meiner Familie. Im nächsten Jahr will ich mindestens vier Mal mit meiner Liebsten zu meiner Familie fahren und auch zwischendurch deutlich öfter etwas von mir hören lassen.

Nachdem meine Liebste nach einigen Komplikationen mit Ihrer Familie vor rund einem halben Jahr ausgezogen ist, haben ihre ältere Schwester und ihr Mann sich allergrößte Mühe gegeben, ein guter familiärer Ersatz und in allen Lebenslagen eine Anlaufstelle zu sein. An dieser Stelle kann ich mich eigentlich nur dafür bedanken, dass auch ich dort so herzlich aufgenommen wurde. Endlich mal eine ‚Schwiegerfamilie‘, die sich sehen lassen kann. Danke für die zahlreichen Spieleabende und ein unvoreingenommenes Kennenlernen!

Alles in allem war es also eine gute Entscheidung, wieder bei Null anzufangen. Ich habe Traumfrau und Traumjob gefunden – was könnte ich mehr wollen?

Glücklich bleiben. Es ist wichtiger denn je, dass alles so bleibt wie es ist bzw. sich zum Positiven wendet. Solange sie an meiner Seite ist, kann eigentlich nichts schief gehen. Ich hätte nie gedacht, dass es so enorm wichtig ist, eine glückliche Beziehung zu führen. Daher: Danke für alles. Danke für’s Einfach-mal-zu-mir-fahren, für die Hilfe bei der Wohnungssuche und dabei, wie ich den Umzug am günstigsten über die Bühne bringe. Danke für die Hilfe beim Einrichten der Wohnung, danke für die vielen Male, die mich ein Kerzenmeer erwartete. Danke dafür, dass du dieses Jahr mit mir durchgestanden hat, egal wie schwer es war, egal wie knapp es finanziell war. Danke dafür, dass ich mich bei dir nicht verstellen muss und danke, dass du immer für mich da bist. Mein höchster Vorsatz für 2013 ist, dass ich weiterhin ehrlich und aufrichtig zu dir sein will. Ich bin so unglaublich glücklich mit dir und ich liebe dich von ganzem Herzen! Ich wünsche mir, dass wir 2013 zu unserem Herzpaar-Jahr machen und noch viele wundervolle Tage, Abende und Nächte miteinander verbringen.

Allen meinen Lesern danke ich für die vielen Seitenaufrufe und Kommentare dieses Jahr. Ich hoffe mal sehr, dass ich im nächsten Jahr öfter als in den letzten Monaten die Zeit finde und Muße habe, hier zu bloggen. Einen guten Rutsch und ein frohes neues Jahr euch allen!